Bei Carsten Stormers Buch “Das Leben ist ein wildes Tier” habe ich mich nach einigen Seiten gefragt:Warum lese ich so etwas zur Unterhaltung?
Ein hartes Buch
Carsten Stormer beschreibt seine Tätigkeit als Journalist an den Brennpunkten der Erde. Er reist zu den Kriegsschauplätzen, in die Flüchtlingslager. Er sucht den Nervenkitzel, die Gefahr, das Unbeschreibliche – zunächst nur, um seinen Adrenalindurst zu löschen. Doch seine Erlebnisse verändern ihn, Wut keimt auf und er begreift seine Verantwortung gegenüber den Menschen, die ihm auf seinem Weg begegnen.
Wie eine Faust ins Gesicht
Carsten Stormer, Jahrgang 1973, aufgewachsen in München, hatte ein geregeltes Leben: Arbeit, Party, Geld. Bis er ausgebrochen ist. Bis er gefunden hat, was er gesucht hat. Krieg, Tod, Verwüstung. Armut, Glück im Kleinen. Und einen Sinn dahinter. Glücklich sei er nicht, schreibt er, dazu sei er am falschen Ort, aber zufrieden mit sich und mit seiner Tätigkeit, mit seinem Leben. Geld hat er keines, oder nur wenig, er ist abhängig von den deutschen Redakteuren, die bewerten, wessen Tod wichtig genug ist, um es in die deutschen Magazine zu schaffen. Das Mädchen, das in Dafur im Flüchtlingslager stirbt, betrifft sie nicht.
Ein Voyeur?
Als Leser keimt schlechtes Gewissen auf. Vor der Lektüre hat man sich auf haarsträubende Geschichten gefreut, die man in der Sicherheit des eigenen Wohnzimmers lesen konnte, nicht näher davon berührt als von einer fiktiven Geschichte. Zu wissen, dass nichts davon erfunden ist, dass Carsten Stormer all das mit seinen eigenen Augen gesehen hat, verursacht einen Druck in der Magengegend und Übelkeit, je weiter man liest. Gräueltaten, die kein Drehbuch-Autor erfinden möchte, werden ebenso distanziert, wie eindringlich beschrieben. So, wie es ist. Und so wie es ist, ist es entsetzlich genug!
Hier ein Trailer zum Buch:
Lesen – ja! Zum Vergnügen – nein!
Lies dieses Buch. Aber lese es nicht zur Unterhaltung. Carsten Stormer findet eine distanzierte Sprache, fast lapidar und mittlerweile bin ich der Meinung, dass er den einzig zulässigen Schreibstil für seinen Inhalt gefunden hat. Er schreibt so, wie es ist. Er beschönigt nichts, verwischt nichts, nichts wird für unsere verweichlichten Gehirne verdaulich gemacht. Das Leben ist ein wildes Tier, es springt uns an und reißt uns in den Abgrund.


3 comments
Stefan says:
Okt 19, 2012
wow, hört sich echt spannend an! muss ich mir gleich mal besorgen!
barbara says:
Jul 9, 2012
Morgen auf Bayern alpha – hört sich interressant an!
Ein Interview mit Carsten Stormer!
http://programm.ard.de/?sendung=284878176356583&sendungsinfos=alpha-Forum+%28Dienstag%2C+10.07.12%2C+21%3A00%2C+BR-alpha%29
Sandra says:
Jun 18, 2012
Hallo Barbara,
danke für deinen Tipp:-)!
Werde es mir sofort zulegen!
Liebe Grüße,
Sandra