Soeben habe ich “Hannes” mehr oder weniger in einem Zug durchgelesen, unterbrochen nur – notgedrungen – durch eine Mütze Schlaf und ein paar Stunden Arbeit. Normalerweise lasse ich mir nach dem Lesen immer etwas Zeit, bevor ich über ein Buch schreibe, doch dieses Mal wollten die Gedanken, die mir durch den Kopf schwirrten, sofort zu Papier gebracht werden.

Briefe an den besten Freund

Doch worum geht es nun eigentlich? Hannes ist Anfang 20 und liegt nach einem schweren Motorradunfall im Koma. Zu Wort kommt in diesem Buch sein bester Freund Uli. Dieser schreibt Briefe an Hannes, ähnlich wie kurze Tagebucheintragungen, in denen er seine Erlebnisse des Alltags notiert, damit Hannes, wenn dieser aus dem Koma erwacht, alles nachlesen kann. Doch Uli merkt schnell, dass auch ihm selbst das Niederschreiben seiner Gedanken dabei hilft, mit seinem Schmerz und seiner Verzweiflung fertig zu werden. Natürlich drehen sich die Eintragungen oft um den gemeinsamen Freundeskreis und die Familienangehörigen, aber auch Ulis Zivildienst in einer Nervenheilanstalt spielt eine große Rolle.

Emotionale Achterbahn

Dieser Roman von Rita Falk hat mich emotional stark berührt. Er liest sich schnell und am liebsten hätte ich letzte Nacht einfach ohne Pause durchgelesen. Mal hatte ich einen Kloß im Hals und eine kleine Träne im Augenwinkel, nur um mir im nächsten Moment das Grinsen und Lachen nicht verkneifen zu können. Natürlich ist Freundschaft die zentrale Rolle in diesem Buch, aber auch die Themen Verantwortung und Erwachsenwerden kommen nicht zu kurz, insbesondere bei Ulis Erzählungen aus dem “Vogelnest”, wie er seinen Arbeitsplatz heimlich nennt.

Buchtrailer:

Schreibstil

Ich habe im Internet Rezensionen gefunden, die den umgangssprachlichen, nicht besonders literarischen Ton, der sich durch das Buch zieht, kritisieren, da er dem ersten Thema nicht gerecht werden würde. Nun ja, hier schreibt ein junger Mann an seinen besten Freund. Ich bin davon überzeugt, würde es die beiden Freunde wirklich geben, dass sich Uli genau so und nicht anders ausdrücken würde. Mich hat die Sprache nicht gestört, ganz im Gegenteil, da sie ehrlich und direkt ist und die vielen kleinen Anekdoten passend zur Geltung bringt.

Mein Fazit

Hannes” hat mich zu Tränen gerührt und oftmals auch zum Lachen gebracht. Und Bücher, bei denen man lachen und weinen kann, sind mir die liebsten, daher kann ich hier nur die volle Punktzahl vergeben. Außerdem ein Kompliment an den dtv Verlag, der in den stimmigen Bucheinband die Blätter des Kastanienbaums integriert hat, den unser Erzähler Uli oftmals gedankenverloren vom Krankenzimmer aus betrachtet.